„Aug’ und Herz zum Licht hinauf“

Schon früh machte Theodor Körner sich einen Namen als Dramatiker. Doch die Freiheit der Deutschen war ihm wichtiger als sein privater Erfolg. Neben dem Patriotismus prägte ihn ein tiefer christlicher Glaube.


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luetzows_jagdUngefähr so muss sich Schiller ästhetische Erziehung vorgestellt haben: Ein Ehepaar und die Schwester der Mutter, alle drei hochgelehrt, vereint um die harmonische Bildung von Sohn und Tochter bemüht. Vor allem darum, sie an den edlen Genuss der Musen heranzuführen.

In diese Verhältnisse wurde Karl Theodor Körner am 23. September 1791 in Dresden geboren, drei Jahre nach seiner Schwester Emma. Was Wunder, dass der Sohn des bekannten Philosophen und Musikers Christian Gottfried Körner schon als Kind musizieren lernte? Dass er erste Gedichte schrieb? Doch in der Stube versauern sollte Theodor nicht; der väterliche Wille drängte ihn häufig ins Freie, in die Natur und in die Gesellschaft von Spielkameraden. Solche Erziehung war auf der Höhe der Zeit; und mag wirklich einen Einfluss durch Schiller erfahren haben, denn der war eng mit dem Vater befreundet. Vielleicht hinterließ der hochgewachsene, grüblerische Rotschopf einen tiefen persönlichen Eindruck beim kleinen Theodor. Der jedenfalls eiferte ihm in seinen dichterischen Gehversuchen nach.

Nach seiner Schulzeit verließ Körner das Elternhaus mit siebzehn Jahren, um in Freiberg das Bergfach zu studieren. Hier erschien 1810 sein erster Gedichtband „Knospen“, von der Kritik wohlwollend aufgenommen. Etwa gleichzeitig ließ er von seinen berghandwerklichen Plänen, um in Leipzig naturwissenschaftliche Studien zu betreiben. Die verblieben in Kinderschuhen, während der junge Student im korporativen Leben versackte. Sein Vater bekam Wind von der burschenherrlichen Faulenzerei und verpflanzte den Sprössling kurzerhand nach Berlin – was aber lediglich dazu führte, dass Körner häufige Konzert- und Theaterbesuche neben sein reges Verbindungsleben treten ließ. Mit dem Studium war es nichts.

So verlebte Theodor Körner ein Flegeljahr. Aber die leichte Unterhaltung, der er sich hingab, machte ihn nicht unempfindlich gegenüber den Umständen seiner Zeit. Spätestens in Berlin wurde ihm die französische Fremdherrschaft über Deutschland fühlbar; Zensur, Unterdrückung, Demütigung. Sie kränkte Körner umso empfindlicher, als sein patriotisches Empfinden durch den burschenschaftlichen Umgang geschärft war.

Der Hofdichter

Körner brauchte nicht lange, um zu erkennen, dass der Müßiggang sein Weg nicht war. In Absprache mit dem Vater siedelte er ohne klares Ziel nach Wien über. Dort nahm sich Wilhelm von Humboldt seiner an – ein früherer Hausgast der Eltern wie auch Goethe und Schiller, um nur die Namhaftesten zu nennen – und führte ihn in die höhere Gesellschaft ein. Rasch fand Körner sich hier zurecht, nahm fruchtbare Korrespondenzen mit Dichtern und Wissenschaftlern auf, verkehrte mit Schauspielern.

Sein Entschluss fiel, das Poetendasein zum Beruf zu machen. Zunächst verfasste er mehrere einaktige Lustspiele, die 1812 erfolgreich über die Bühne des Wiener Burgtheaters gingen. Umfangreichere, ernstere Produktionen folgten, die sich nicht minderen Beifalls erfreuten. Endgültig etablierte sich Körner mit dem Geschichtsdrama „Zriny“, einer Allegorie zum großen europäischen Konflikt seiner Zeit. Nach der Aufführung Ende 1812 wurde Körner als Wiener Hofdichter fest angestellt.

Eine aufstrebende Schauspielerin namens Antonie Adamberger spielte die Titelrolle einiger Körnerscher Stücke. Die 21jährige erfreute sich großer Beliebtheit unter der Wiener Gesellschaft und des besten Leumunds. Ihr Witz, ihr tiefes Gemüt bannten auch Körner; die jungen Herzen fanden zueinander. Im Sommer 1812 verlobten sie sich.

Mit 21 Jahren hatte Körner alles erlangt, was sich wohl die meisten Menschen ihren Lebtag über vergebens erhoffen: einen erfüllenden Beruf, ein sicheres, gutes Einkommen und eine reizende Braut. Dankbaren Herzens schrieb er den Eltern anlässlich seines Geburtstags 1812: „Noch nie hat mich ein 23. September so glücklich gefunden. Der Kranz der Liebe ist um mich geschlungen und alle Blüten, die Ihr mir erzogen habt, hat die Sonnenzeit meines heiligsten Gefühls, hat meine Toni mir zum ewigen Frühling aufgeküßt.“

Leier und Schwert

Während Wien in feudalem Luxus schwelgte, überzog Napoleon Europa mit Krieg. Wo die alten Landesherren sich nicht freiwillig seiner Vorherrschaft unterwarfen, wurden ihre Söldnerscharen von der französischen Nationalarmee zerstreut. Die Barbareien der durchziehenden Heere an der Bevölkerung, die Überheblichkeit der Besatzer, der Kunstraub, Napoleons Bestreben, ganz Kontinentaleuropa dauerhaft zu beherrschen und zu französisieren: All dies beschwor jene unversöhnliche Feindschaft der Unterlegenen herauf, die aus Körners „Zriny“ spricht. Und endlich, während Körner dies Drama abschloss, während es erprobt und schließlich aufgeführt wurde, verliefen sich Napoleons Heere in Russlands Weite, erlagen der Kälte, dem Hunger, dem Feind. Jetzt wankte der scheinbar Unüberwindliche, und die Kraft, die er so erfolgreich gegen das alte Europa entfesselt hatte, wandte sich gegen ihn selbst: der patriotische Bürgerwille.

Dem Wiener Hofdichter Theodor Körner schwebte ein glänzender Werdegang vor Augen. Seine Produktivität war außergewöhnlich, sein Erfolg noch im Werden, seine Toni würde er bald heiraten können. Nun jedoch erhoben die Preußen sich gegen ihren Unterdrücker. Und Körner lenkte seinen Weg um, den Kriegsfahnen entgegen. „Nenn’s nicht Übermut, Leichtsinn, Wildheit!“, beschwor er seinen Vater. „Vor zwei Jahren hätte ich es so nennen lassen; jetzt, da ich weiß, welche Seligkeit in diesem Leben reifen kann, jetzt, da alle Sterne meines Glückes in schöner Milde auf mich niederleuchten, jetzt ist es bei Gott ein würdiges Gefühl, das mich treibt, jetzt ist es die mächtige Überzeugung, daß kein Opfer zu groß sei für das höchste menschliche Gut, für seines Volkes Freiheit.“

Körner schied von seiner Braut, von seinen Freunden, aus seiner Stellung als Hofdichter und eilte nach Breslau. Hier schloss er sich jener schwarzen Freischar an, die keine Stände kannte und ihre Ausrüstung vom Volk empfing. Das Freikorps unter der Führung des Majors von Lützow existierte zwar auf königliche Erlaubnis hin, focht aber unabhängig und oft im feindlichen Hinterland.

Rasch war Körner unter seinen Kameraden beliebt wie vormals in den höheren Wiener Kreisen. Seine Heiterkeit und Leutseligkeit eroberten ihm auch im Kriegslager die Herzen. Zudem zeichnete ihn Diensteifer aus; nach nur einem Monat wurde er zum Leutnant ernannt. Fortan ritt er als Adjutant an Lützows Seite. Hinter den Kriegsgesängen, die er nun anstimmte, verblasst seine vormalige Dichtung.

Kaum zwei Monate hatte Körner im Feld gestanden – das bedeutet: vor allem taktische Bewegungen und kleinere Überrumpelungsaktionen mitgemacht –, als Franzosen und Preußen einen vorübergehenden Waffenstillstand schlossen. Die Lützower lagerten noch in Feindesland und rechneten auf freies Geleit. Ihre Feinde aber sahen eine Gelegenheit, der verhassten „schwarzen Banditen“ habhaft zu werden. Am 17. Juni überfielen Franzosen und Württemberger das unvorbereitete Freikorps. Im Kampf wurde Körner mit drei Säbelhieben verwundet. Sein schnelles Pferd trug ihn aus der Sichtweite des Gegners, und der lebensgefährlich Verletzte konnte sich in ein Gehölz flüchten. Halb verblutet dichtete er hier seinen „Abschied vom Leben“, in dem es heißt: „Die Wunde brennt, die bleichen Lippen beben. / Ich fühl’s an meines Herzens matterm Schlage, / Hier steh’ ich an den Marken meiner Tage. / Gott, wie du willst! Dir hab’ ich mich ergeben.“ Doch gelang es Körner, sich mit notdürftig versorgten Wunden in das nahe Dorf Großzschocher zu schleppen. Bei sich trug er die Kriegskasse seiner Einheit, die es zu retten galt.

„Ahnungsgrauend, todesmutig“

theodor_koernerDie Dorfbewohner pflegten ihren verbotenen Gast, bis dessen Kräfte hinreichten, dem Feindesland zu entrinnen. Ins sichere Karlsbad führte sein Weg, wo sich die höchsten Kreise interessiert des ungewöhnlichen Jünglings annahmen: Seine Dramen hatte man gesehen oder immerhin gelesen, und neuerdings schallten allerorten seine Schlachtengesänge. Man suchte ihn zu überzeugen, seinen militärischen Lauf zu enden; das konnte angesichts der schweren Wunden und unterstützt von einflussreichsten Freunden leicht in Ehren geschehen. Aber Körner schlug aus. Noch einmal traf er Vater, Mutter und Schwester, um sich hernach wieder zu seiner Einheit zu begeben. Kaum zwei Monate waren verstrichen seit der Verwundung, und Körner litt noch an ihren Folgen. Schonung war hier nicht; beinah täglich kam es zu Geplänkeln, und, um dem Feind unsichtbar zu bleiben, zu beschwerlichen Ritten.

Einer dieser Tage endete nahe dem Mecklenburgischen Dorf Wöbbelin. Die Lützower sanken aus ihren Sätteln, kramten in ihren Tornistern, labten sich mit einigen Bissen und ließen die Feldflaschen kreisen. Einer der Ihren saß etwas abseits unter einer alten Eiche und notierte gedankenverloren in ein abgegriffenes Büchlein. Körner schrieb sein „Gebet während der Schlacht“: „Vater, du segne mich! / In deine Hand befehl’ ich mein Leben; / Du kannst es nehmen, du hast es gegeben. / Zum Leben, zum Sterben segne mich! / Vater, ich preise dich!“. Da muss es ihn ahnungsschwer überkommen sein. Er blickte auf und bat seine Kameraden, ihm einstens hier sein Grab zu bereiten, sofern es möglich wäre. Alles sah ihn an und schwieg.

Am 26. August 1813 passieren vierzig Wagen mit Proviant und Munition das Dörflein Rosenberg. Zwei Kompanien Infanterie begleiten den gegnerischen Transport. Ahnungslos schlängelt sich die Kolonne an einem Hügel vorbei, hinter dem 200 Schwarze Reiter auf das Sturmsignal warten. Da brüllt Lützow den Befehl und prescht los. Er fliegt den Scharen vorweg, neben sich seinen Adjutanten Körner. Hufe donnern, ein gewaltiges „Hurra!“ rollt dem Feind entgegen, der für einen Moment versteinert steht. Dann zerstreut sich die Infanterie – im freien Gelände kann sie wenig gegen die Reiter ausrichten –, flieht einem nahen Waldstück zu. Vereinzelt peitschen Schüsse. Schon haben die Lützower den Transport erreicht, machen halt und fordern die Kutscher auf, ihre Wagen zu wenden. Nun wird das Feuer dichter. Die Reiter müssen eilen, ihre Beute in Sicherheit zu bringen. Einer ist auf die Mähne seines Rosses gesunken. Die Kameraden heben ihn herab. Auf den wohlbekannten Zügen liegt ein friedvoller Tod.

Im Krieg ist das Sterben Alltag; der Kämpfer muss sich dagegen verhärten. Aber die Nachricht von Theodor Körners Tod wühlte sich schmerzlich in die Herzen seiner Kameraden. Auf Eichenblättern betteten sie ihn in einen Eichensarg und gaben ihn dort der Erde wieder, wo er noch kürzlich am Stamm des alten Eichbaums gelehnt und gedichtet hatte. Dann traten alle zurück. Einer stimmte „Lützows wilde Jagd“ an. Leise und verhalten war der Gesang; viele Stimmen brachen. „Und von Enkeln zu Enkeln sei’s nachgesagt: / Das war Lützows wilde, verwegene Jagd.“

 

Zu Theodor Körners Werk

Theodor Körner war ein äußerst produktiver Dichter. Sein Werk deckt zahlreiche literarische Gattungen ab: Neben Dramen und lyrischen Gedichten auch Rätsel und Scharaden, Erzählungen, Operetten. Stets tritt dem Leser hohe Sprachkunst entgegen.

Bekannt wurde Körner durch sein dramatisches Werk. 1812 gingen seine drei einaktigen Lustspiele „Die Braut“, „Der grüne Domino“ und „Der Nachtwächter“ über die Bühne des Wiener Hoftheaters und bahnten ihren größeren, ernsten Nachfolgern „Toni“ und „Hedwig“ einen Weg. „Die Sühne“, ein tragischer Einakter, wurde unter der Regie Goethes in Weimar aufgeführt. Alle Stücke fanden ein wohlwollendes Publikum. Angespornt von diesen Erfolgen verfasste Körner sein Lustspiel „Der Vetter aus Bremen“ und die beiden fünfaktigen Geschichtsdramen „Rosamunde“ und „Zriny“.

Zriny – das Trauerspiel um den titelgebenden Grafen, der die aussichtslose Verteidigung seiner Feste gegen den Tyrannen Soliman befiehlt, wurde Körners populärstes. Die fundamentalen Schwächen des Dramas sind zum Teil auf die Jugend des Dichters zurückzuführen, zum Teil auch auf den Geist der Zeit: Spätere Rezipienten empfanden die klare Polarisierung zwischen gänzlich unedlen Türken und hehren Ungarn sowie die Radikalität der Belagerten als unethisch, während die zeitgenössischen Zuschauer für solcherlei Darstellung empfänglich waren. Ihnen spielte die Handlung nicht 1566, sondern gegenwärtig; ihnen war Soliman kein Türke, sondern ein Franzose.

Bisher war Körners Werk bühnentauglich, darüber hinaus aber kaum wirksam. Die Lustspiele schwanken zwischen leidlicher Komik und Abgeschmacktheit, sind in jedem Fall belanglos. Die Schau- und Trauerspiele wirken konstruiert, häufig ist die Handlung nicht genügend motiviert, den Charakteren mangelt es an Psychologisierung. Überall fehlt Tiefe.

Zu Beginn des Jahres 1813 dichtete Körner seine beiden letzten Dramen: „Die Gouvernante“, seine kurzweiligste, witzigste Komödie, und das Schauspiel „Joseph Heyderich“. Der „Heyderich“ zeigt erste bedeutsame Ansätze dramatischer Eigenständigkeit. Der Titelheld ist ein österreichischer Korporal, der seinem todwunden Oberleutnant das Leben rettet und darüber das eigene verliert. Es handelt sich um den Versuch, das Ideal rückhaltloser Treue in eine realistische Darstellung einzubetten. Der „Heyderich“ ist das einzige Drama Körners in ungebundener Rede. Noch dominiert stellenweise das überzogene Pathos der vorigen Dramen, bisweilen wird aber auch ein nüchterner, soldatischer Ton getroffen. Es zeigt sich die Tendenz, Handlung und Ton nicht zu überspannen, was der Wirkung des Stücks ungemein zugute kommt.

Ähnlich verhält es sich mit Körners Lyrik. In seinem ersten Gedichtband „Knospen“ knüpft der 18jährige in Schillerscher Tradition philosophische Überlegungen an Alltagswahrnehmungen, aber viel unklarer und flacher als sein Vorbild. Zahlreiche lyrische Gattungen, von geistlichen Sonetten bis hin zu Liebesidyllen, deckte Körner im Laufe seines kurzen poetischen Werdegangs ab. Jedoch am eigenständigsten, gereiftesten begegnet er uns in seinen kriegerischen Gesängen. Neben den Willen zum hohen Pathos tritt hier der Anspruch schlichter Eingängigkeit; der herabgestimmte Ton wirkt entschlossen, begeistert, schicksalsergeben.

 

Körner-Zitate

„Wer noch vertraut, der kann nicht böse sein.“ (aus „Toni“)

„Die Tugend übt sich schlecht im Glück; das Unglück, / Das ist der Boden, wo das Edle reift, / Das ist der Himmelsstrich für Menschengröße.“ (aus „Zriny“)

„Ein starkes Herz geht blind die grade Straße.“ (aus „Rosamunde“)

„Wer edle Menschen um sich sieht, die seinem Herzen verwandt sind, der muß ja ungern aus ihrer Nähe in die Einsamkeit des Grabes gehen.“ (aus „Josef Heyderich oder Deutsche Treue“)

In Körners Werk klafft ein Riss zwischen quantitativer Produktivität sowie formaler Qualität einerseits und gedanklicher Tiefe andererseits. Das mag seinem Alter geschuldet sein. Mancher sah in ihm einen würdigen Nachfolger Schillers, dem bloß die Jahre zur Reifung seines Talents fehlten. Aber der frühe Erfolg birgt Tücken, und es ist nicht anzuschließen, dass aus der hohen Nachfrage ein Erfolgsdruck resultiert hätte, der Körner zur bürgerlichen Genügsamkeit eines Kotzebue herabgepresst hätte. – Spekulationen. Mehr als sein Werk hat ihn sein kurzes und entschlossenes Leben die Zeiten überdauern lassen; und nicht zufällig entfaltet sich seine Dichtung am kraftvollsten, nachdem er seinen schwerwiegendsten Entschluss gefasst hat.

 

Kleine Gedichtauswahl

 

Christus und die Samariterin

Am Brunnen Jakobs in Samariens Auen
Fühlt’ einst der Herr nach Kühlung ein Begehren.
„Weib, laß mich deinen Krug voll Wasser leeren!“
So rief er sanft zu einer nahen Frauen.

Die spricht: „Wie magst du, Fremdling, mir vertrauen?
Im Tempel nur kann man den Herrn verehren,
So lehret ihr, wollt nicht mit uns verkehren,
Weil wir auf Berges Höhn Altäre bauen.“

Da sprach der Herr zu ihr mit ernsten Worten:
„Ein neuer Glaube wird ins Leben treten;
Es löst die Nacht der Völker sich in Klarheit.

Des Herren Tempel stehet allerorten.
Gott ist ein Geist, und wer zu ihm will beten,
Der bet’ ihn an im Geist und in der Wahrheit!“

 

Palindrom

Einfach im Gewand des Lenzen
Schirm’ ich meiner Mutter Brust;
Hell im Morgentau zu glänzen,
Ist des Lebens zarte Lust.
Und geschmückt zur Frühlingsfeier
Wog’ ich auf der stillen Flur
Und den schönsten aller Schleier
Web’ ich kunstlos der Natur.

Rückwärts lese nun die Zeichen
Und verwandelt ist das Wort,
Sieh! und ich empfange Leichen,
Trage sie zum Grabe fort.
Bis zum ew’gen Weltgerichte
Halt’ ich sie in meinem Arm;
Doch entfernt vom Sonnenlichte,
Wird kein Busen wieder warm.

[Lösung: Gras – Sarg]

 

Bundeslied vor der Schlacht

Ahnungsgrauend, todesmutig
Bricht der große Morgen an,
Und die Sonne, kalt und blutig,
Leuchtet unsrer blut’gen Bahn.
In der nächsten Stunden Schoße
Liegt das Schicksal einer Welt
Und es zittern schon die Lose
Und der ehrne Würfel fällt.
Brüder, euch mahne die dämmernde Stunde,
Mahne euch ernst zu dem heiligsten Bunde,
Treu, so zum Tod, als zum Leben gesellt!

Hinter uns, im Graun der Nächte,
Liegt die Schande, liegt die Schmach,
Liegt der Frevel fremder Knechte,
Der die deutsche Eiche brach.
Unsre Sprache ward geschändet,
Unsre Tempel stürzten ein;
Unsre Ehre ist verpfändet,
Deutsche Brüder, löst sie ein!
Brüder, die Rache flammt! Reicht euch die Hände,
Daß sich der Fluch der Himmlischen wende!
Löst das verlorne Palladium ein!

Vor uns liegt ein glücklich Hoffen,
Liegt der Zukunft goldne Zeit,
Steht ein ganzer Himmel offen,
Blüht der Freiheit Seligkeit.
Deutsche Kunst und deutsche Lieder,
Frauenhuld und Liebesglück,
Alles Große kommt uns wieder,
Alles Schöne kehrt zurück.
Aber noch gilt es ein gräßliches Wagen,
Leben und Blut in die Schanze zu schlagen;
Nur in dem Opfertod reift uns das Glück.

Nun, mit Gott! wir wollen’s wagen,
Fest vereint dem Schicksal stehn,
Unser Herz zum Altar tragen
Und dem Tod entgegen gehn.
Vaterland, dir woll’n wir sterben,
Wie dein großes Wort gebeut!
Unsre Lieben mögen’s erben
Was wir mit dem Blut befreit!
Wachse, du Freiheit der deutschen Eichen,
Wachse empor über unsere Leichen!
Vaterland, höre den heiligen Eid!

Und nun wendet eure Blicke
Noch einmal der Liebe nach;
Scheidet von dem Blütenglücke,
Das der gift’ge Süden brach!
Wird euch auch das Auge trüber,
Keine Träne bringt euch Spott;
Werft den letzten Kuß hinüber,
Dann befehlt sie eurem Gott!
Alle die Lippen, die für uns beten,
Alle die Herzen, die wir zertreten,
Tröste und schütze sie, ewiger Gott!

Und nun frisch zur Schlacht gewendet,
Aug’ und Herz zum Licht hinauf!
Alles Ird’sche ist vollendet
Und das Himmlische geht auf.
Faßt euch an, ihr deutschen Brüder!
Jede Nerve sei ein Held!
Treue Herzen sehn sich wieder.
Lebewohl für diese Welt!
Hört ihr’s? Schon jauchzt es uns donnernd entgegen.
Brüder, hinein in den blitzenden Regen!
Wiedersehn in der besseren Welt!


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Manuel Mackasare

geb. 1985, Historiker, VDSt Breslau-Bochum.

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