Die Pfalz ist die bayerische Krim

Wladimir Putin hat vorgemacht, wie man historisch ungerechte Grenzen einreißt und verlorene Provinzen ins Vaterland heimholt. Es ist Zeit für eine gründliche Flurbereinigung in Europa. Hauptprofiteur wäre Bayern.


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Russland und Bayern haben im Grunde viel gemeinsam. Wunderschöne weite Landschaften, hohe Berge, ein altes, gewachsenes Kulturvolk mit einem sehr eigenen Gemüt. Die besondere Vorliebe für geistige Getränke. Die familiäre Nähe zwischen Lokalpolitik, Wirtschaft und Klerus. Auch im politischen System gibt es manche Ähnlichkeit. Einparteienherrschaft mit einer ohnmächtigen Restopposition als formaler Zierde, an der Spitze ein gütiger Monarch – Putins gelenkte Demokratie und Horst Seehofers autokratischer Demographismus sind sich da im Grunde gleich. Beide regieren absolut und geben der Volksseele, was sie wünscht, einschließlich der beliebten Feindbilder; ob es Österreicher sind, die ohne zu zahlen bayerische Autobahnen nutzen, oder Homosexuelle, die ungestraft Propaganda betreiben und die Jugend sittlich verderben, ist da einerlei.

Am wichtigsten ist aber dieses. Beide Länder sind von der Geschichte ungerecht behandelt worden. Russland hat sich 1990 friedlich in die neue, postkommunistische Weltordnung eingefügt. Der Lohn? Verlust an Einfluss und an Territorien. Bayern hat sich den deutschen Herrschern untergeordnet, erst den Habsburgern, dann den Hohenzollern. Mit dem gleichen ungerechten Ergebnis. Wenn Putin auf die Wiederherstellung des alten Zarenreichs hinarbeitet, dann Bayern auf die Grenzen von 1810. Mindestens.

Bayern und Pfalz, Gott erhalt’s

Unerlöste bayerische Erde gibt es zuhauf in deutschen Landen, beiweitem nicht nur die zwei thüringischen Landkreise, die aus freien Stücken gerne überwechseln würden. Am wichtigsten unter den verlorenen Provinzen: die Rheinpfalz. Jahrhundertelang von tüchtigen Wittelsbacher-Herzögen gut regiert, und dann per Besatzerdekret willkürlich abgespalten – genauso illegitim und ungerecht wie die Verschenkung der Krim durch den Diktator Chruschtschow. Überall in Bayern findet man noch Spuren dieser Demütigung. Dass die Prinzregententorte nur noch sieben Schichten hat, liegt eben darin begründet, dass die achte Provinz seit Luitpolds Zeiten schmachvoll verloren ging. Dass Horst Seehofer, wenn er als guter Patriot bayerischen Wein trinken möchte, sich an den Franken-Silvaner halten muss, ist Folge des Verlusts der pfälzischen Reben. Allein Seehofers Gaumen ist Grund genug für die Wiedergewinnung der Pfalz. Und schließlich ist der Zugang zum Rhein und damit zur Nordsee für Bayerns strategische Position in Zentraleuropa mindestens so wichtig wie Sewastopol und die Schwarzmeerflotte für den Kreml.

Und es gibt weitere unerlöste Gebiete. Tirol zum Beispiel, das Napoleon einst Bayern überließ, damit Graf Montgelas, der kluge Minister in München, dort die Vorzüge der modernen Zivilisation einführen konnte. Dass die Bergbauern lieber im Mittelalter verharren wollten und sich gegen ihre neue Herren blutig erhoben, tut nichts zu Sache. Bayern hatte und hat dort eine zivilisatorische Mission zu erfüllen. Und dass die Alliierten 1813 Bayerns entscheidenden Frontwechsel, vier Tage vor der Leipziger Völkerschlacht, schließlich damit vergalten, dass sie ihm Gebiete nahmen, bleibt schmählicher Verrat, der korrigiert werden muss.

Zur Tat! Zur Tat!

Was ist dafür zu tun? Auf der großen politischen Bühne vor allem der Wechsel ins russische Lager: Austritt Bayerns aus der Europäischen Union, Schutz- und Trutz-Bündnis mit Moskau, in guter Erinnerung an 1919, als unter Lenin und Kurt Eisner Sowjet-Russland und Sowjet-Bayern schon einmal vereint standen gegen den imperialistischen Westen.

Sodann muss in den heimzuholenden Territorien die Unabhängigkeitsbewegung der ethnischen Bayern unterstützt werden, mit Technik und mit Geld; die Zusage von Investitionen an die einheimische Bevölkerung lässt sich leicht realisieren aus den vier Milliarden, die dem Haushalt jährlich nach Aufkündigung des Länderfinanzausgleichs zusätzlich zur Verfügung stehen werden.

Und die Untergrundbewegungen vor Ort müssen aufgebaut werden. Dazu braucht es im Grunde nicht viel. Einen passenden Anlass, wie etwa den, dass die Behörden sich weigern, Bairisch als eigene Verwaltungssprache einzuführen. Dann etwas Logistik: Gesichtsmasken, einige Tarnfleckanzüge und Gewehre aus alten Armeebeständen, Autoreifen und Europaletten für den Barrikadenbau, ein Dutzend Fahrzeuge für den Nachschub. Schließlich einige Volksräte für die provisorische Regierung, wenn die alten Autoritäten gestürzt sind, und vorbereitete Statements für die internationale Presse.

Mit Unterstützung von außen ist ein Umsturz leicht zu machen. Putin hat das bewiesen. Es wird Zeit, dass die Brüder im Geiste sich zusammentun und gemeinsam die Landkarte Europas neu ordnen. Auf zur Tat!


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