Gereimte Gedanken

Weisheiten und Lebenseinsichten hätten ab einem bestimmten Alter viele mitzuteilen. Aber gar zu oft werden daraus überlange Geschichten, denen keiner folgen mag. Gerulf Stix, AH VDSt Innsbruck, der gerade die Achtzig überschritten hat, zwingt sich zu Kürze und Prägnanz: in Versform. Ergebnis ist ein Lese- und Nachdenkvergnügen – auch für die Jungen.


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Dass es keine Goethe-Verse sind, sondern, wie der Autor überstreng selbst urteilt, holperige Knittelverse, tut dem keinen Abbruch. Eingängig sind sie; klug auch und anregend. Denktief. Und trotz Altersweisheit immer noch frisch im Staunen über die Welt.

Gibt es nicht Wunder jeden Tag,
die sehen kann, wer sehen mag?

Das Wunder des Lebens, so unwahrscheinlich im lebensfeindlichen Kosmos. Der Schönheit. Der Liebe. Der Freiheit. Ohne freilich naiv zu sein und die Spannungen nicht zu sehen. Zwischen dem einzelnen und der Gruppe; zwischen Freiheit und Ordnung; Freiheit und Determinismus.

Ganz frei gefasst scheint dein Entschluss
doch Es tut, wie es kommen muss.

Oder:

Wir sind nur Wellen im Meer
der Wind treibt uns vor sich her.

Schicksal, Endlichkeit, Vergänglichkeit: Das kommt auch vor. Nicht fatalistisch aber. Sondern im ruhigen Wissen um das Naturgesetz, dass Neues nur entsteht, weil Altes vergeht.

Doch Zeit deckt alle Opfer zu,
wo einst geklagt, ist heute Ruh’. 

Kommt noch mehr? Wer weiß.

Nach jedem Gipfel, den man gewinnt,
stets wieder etwas neu beginnt.

 

Zum Weiterlesen

Gerulf Stix: Geborgen im Sein – Gereimte Gedanken. Xlibri 2015. ISBN 978-3-940190-89-5

 


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