Kommunikation mit Gott

Das jährliche Treffen des Gauverbands Rhein-Ruhr führte 2014 in die Ikonenausstellung in Recklinghausen. Ulrich Lohmann berichtet über einen etwas anderen Museumsbesuch.


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Das Ikonen-Museum Recklinghausen liegt mitten in der Altstadt gegenüber der Propsteikirche St. Peter, wurde 1956 feierlich eröffnet und steht seither unter Denkmalschutz. Es befindet sich in dem ehemaligen Gebäude der 1795–98 errichteten „Turmschule“, mit seiner eigenen Vorgeschichte und Gebäudenutzung (seit 1429/67 als „Lateinschule“, aus dem Material der alten Stadtmauer errichtet, großer Stadtbrand 1500, Wiederaufbau, 1730–1820 Franziskanergymnasium, bis 1895 Volksschule für Knaben, später 1904 Realschule, ab 1927 Vestisches Museum sowie zwischenzeitlich andere Nutzungen). Das ab 2010 durchrenovierte Haus, jetzt mit Aufzug, ist seit 2012 wieder geöffnet.

Was sind Ikonen?

Eine Bilderverehrung (Ikonodulie) ist insbesondere als Objektverehrung bekannt, z. B. bei Höhlenmalereien, Ton-/Stein- und Holzfiguren, gegenständlichen Votivfiguren des Balkans, Pfahlgötzen aus Baumstämmen oder in symbolischer attributiver Natur (z.B. Thors Hammer); entweder hatten Bilder einen mythologischen Hintergrund oder standen im Zusammenhang mit Fruchtbarkeits- oder anderen kulturellen Hintergründen.

Christliche Kirchen wurden gelegentlich schon ab dem 3. Jahrhundert mit Bildern der Heiligen geschmückt, denen das Haus geweiht war; obwohl der bekannte spätantike Kirchenlehrer Augustinus (von Hippo, 354–430) bildliche Darstellungen beklagt, förderte diese z. B. Kyrill von Alexandria (375/80–444) als Patriarch, zusammen mit koptischen und anderen altorientalischen Kirchen.

Papst Gregor I. (*540–12.3.604, Papst seit 590) begründete um 600 eine Bilderverehrung so: Bilder als Bücher der Armen, die nicht lesen könnten und des Lateinischen nicht mächtig seien; andere kirchliche Obere, christlich-ökumenische Konzile und Kaiser/-innen, sahen diesem sogen. (byzantinischer 726–775) Bilderstreit in jeweils wechselnder theologischer und kulturhistorischer Hinsicht und Ausprägung zu ihrer Zeit aufmerksam zu.

In der christlichen Ikonografie hat „fast kein Künstler auf die Darstellung Gottes verzichtet“; seit Johannes von Damaskus (~650–754, als ikonophilem Vertreter einer Bilddarstellung), wird als stärkstes theologisches Argument vertreten, dass Gott selbst in der sicht- und greifbaren Menschwerdung Christi das alttestamentarische Abbildungsverbot „aufgehoben oder zumindestens radikal relativiert …“ habe.

Im Museum

Die Ikonen-Sammlung des Museum beinhaltet die umfangreichste Sammlung von Ikonen, Stickereien, Holz- und Metallarbeiten, sowie Miniaturen aus Russland, Griechenland/Byzanz und anderen Balkanstaaten, insgesamt über 1000 Exponate überwiegend aus Osteuropa und auch Ägypten; Fresken, gedruckte Ikonen oder handgemalt, Paramente, liturgische Geräte oder Bücher, auch wunderschöne handwerklich bearbeitete, z. B. getriebene Devotionalien oder Bilder .

Den Betrachtern wird hier insgesamt ein umfassender Überblick über die Entwicklung der Ikonenmalerei im christlichen Osten Europas vermittelt.

Zusätzlich dokumentiert die koptische Sammlung des Hauses die Vielfalt der Kunst in Ägypten seit dem 1. Jahrhundert bis ins frühe Mittelalter; auch Bronzen, Gläser, Kreuze, Mumienportraits und Steinreliefe sind Bestandteile der Sammlung.

Immer wieder sahen wir beim Rundgang das sogenannte „christliche (lateinisches) Kreuz“, mit der menschlichen Gestalt (und seiner Ausgebreitete-Arme-Symbolik), in seinen unterschiedlichen Formen (griechisches Kreuz, Andreaskreuz, Jerusalem-Kreuz., irisch / St. Patrick, russisch- und griechisch-orthodoxes Kreuz …).

Zusammenfassend sollten Ikonen eine Art „Kommunikation mit Gott“ und dem Betrachter selbst bewirken, und so war es am 3. Oktober für alle Beteiligten ein nachhaltig etwas anderer Museumsbesuch.

 

Literatur:

  • Ikonenmuseum Recklinghausen, Lokalkompass RE
  • Museen für sakrale Kunst, web-museen DUMONT et al.
  • Christliche Zeichen, wikipedia-Kreuzformen /Kruzifixe et al.
  • Wikipedia /freie Enzyklopädie-Bilderverehrung

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Ulrich Lohmann

geb. 1946, Dr. med., VDSt Breslau-Bochum.



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