Migration: Chancen und Herausforderungen

Zuwanderung und Integration sind in deutschen Medien ein dauerhaft präsentes Thema. Aus diesem Grund drehte sich das Programm des Bonner Sommersemesters genau um diese Debatte.


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S131_Migration_2Vier Referenten aus unterschiedlichen Fachbereichen konnten für Vorträge gewonnen und das Thema so aus möglichst differenzierten Blickwinkeln betrachtet werden.

EU-interne und -externe Migration

Als ersten Referenten begrüßte der Bonner Bund Dr. Stefan Koppelberg, Leiter des Bonner Büros der EU-Kommission, um eine Einführung in die gesetzlichen Regelungen und Rahmenordnungen der Migration innerhalb der EU zu erhalten. Dr. Koppelberg berichtete zum einen über die Flüchtlingsthematik – am Abend des Vortrags besonders aktuell, da unmittelbar vor dessen Beginn das 10-Punkte-Programm der Kommission zur Verhinderung der Mittelmeerunglücke verabschiedet worden war. Außerdem erläuterte Dr. Koppelberg die Richtlinien zur Migration von EU-Bürgern zwischen Mitgliedstaaten.

Die volkswirtschaftliche Perspektive der Einwanderung in Deutschland

Für den zweiten Vortrag luden wir die Wirtschaftswissenschaftlerin Ina Esselmann vom Institut der deutschen Wirtschaft als Referentin ein. Als Betreuerin des Projekts „Make it in Germany“, einer Internetplattform, die Deutschland als Wirtschafts- und Arbeitsstandort attraktiver machen soll, beschäftigt Frau Esselmann sich mit dem demographischen Wandel in Deutschland. In ihrem Vortrag präsentierte sie Möglichkeiten, wie die Einwanderung qualifizierter Arbeitskräfte diesen Prozess zwar nicht verhindern, aber zumindest abfedern könnte, betonte allerdings auch die Notwendigkeit besserer Integrationsmaßnahmen für die Zuwanderer. Zugleich bewarb sie freilich eine bessere Entwicklungskooperation mit den Ländern, aus denen diese Arbeitnehmer stammen und in die sie eventuell irgendwann zurückkehren werden; damit soll dort ein sogenannter Brain Drain verhindert werden.

Ethische Verpflichtung zum Helfen

Nach den europäischen Richtlinien und den wirtschaftlichen Auswirkungen beschäftigte sich die Bonner Aktivitas im dritten Vortrag mit der moralischen und ethischen Verpflichtung zum Helfen, die wir als Bürger eines reichen Landes wie Deutschland gegenüber Flüchtlingen haben. Dazu luden wir Susanne Rabe-Rahman, Mitarbeiterin der Caritas Köln, als Referentin ein, die über die Integration von Flüchtlingen und anderen Einwanderern berichtete und Projekte der Caritas vorstellte. Das Fazit des Vortrags war, dass ein wohlhabendes Land wie Deutschland eine moralische Verantwortung zur Hilfe trage, wenn aus lebensbedrohlichen Situationen entkommene Menschen an unseren Grenzen um diese Hilfe bitten.

Die Zukunft der Einwanderungspolitik in Deutschland

Zum Abschluss der Vortragsreihe gelang es, Cemile Giousouf, die integrationspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, als Referentin zu gewinnen. In einem eigens angemieteten Hörsaal der Universität Bonn berichtete sie über die derzeitige Gesetzeslage zu Asyl und Einwanderung und über die Notwendigkeit eines Einwanderungsgesetzes in Deutschland. Um dieses funktionsfähig zu machen, sei eine gute Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen Bund und Ländern notwendig. Zudem sprach Frau Giousouf über die Finanzierung von Integrationsmaßnahmen, die Gefahr des Brain Drain in Auswanderungsländern und die Entwicklungszusammenarbeit mit diesen.

Fazit

Die Vortragsreihe des Bonner Bundes wurde mit dem Ziel gewählt, die Migrations- und Integrationsthematik differenzierter zu betrachten, als dies Ende letzten Jahres durch Gruppierungen wie PEGIDA, von der Identitären Bewegung, allerdings auch von der deutschen Politik der Fall war. Mit vier Referenten aus verschiedenen Fachgebieten wurde dieses Ziel definitiv erreicht. In den sehr guten Vorträgen konnten neue Perspektiven zu einem Thema gewonnen werden, das in der deutschen Öffentlichkeit derzeit dauerhaft präsent ist.


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Cornelius Lilie

geb. 1992, Historiker und Politologe, VDSt Bonn.



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