Bin ich schön ?

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Natürlich soll auf diese Frage keine Antwort gegeben werden – von Leserbriefen bitte ich abzusehen. Die Überschrift zitiert nur den Titel eines FIlmes von Dorris Dörrie aus dem Jahre 1998. Ob dieser FIlm nun selbst “schön” war, darüber sind sich die Kritiker keineswegs einig. Das liegt nicht nur am vorhandenen Filmmaterial: “Schönheit” lässt sich nur im Vergleich denken. Sie braucht einen Maßsstab, sei er in der direkten Gegenüberstellung oder im Bemühen eines Ideals zu finden. Von selbst weitet sich der Blickwinkel über das hinaus, was gerade betrachtet wird, und setzt das Betrachtete in Relation.
Erinnerungen an früher Betrachtetes werden wach, Hoffnungen und Wunschträume auf Zukünftiges. Der Blick geht über das hinaus, was vor Augen liegt und sieht mehr. Und nicht nur vor Augen, wenn auch ein Großteil unserer menschlichen Wahrnehmung auf dem Gesichtssinn beruht. Schönheit lässt sich mit allen Sinnen erfahren – und anderen vermtteln. Wie ein Koch sich bemüht, eine Sauce “schön” abzurunden, so wird der Parfumeur zusehen, dass die Kopf-, Herz- und Basisnoten eines Duftes eine “schöne” Mischung ergeben. Nicht anders sieht es bei den Harmonien eines Liedes oder Tanzes aus, beim Schreinern eines Tisches und bei der Anlage eines Gartens. Und selbst im abstrakten Bereich gibt es eine gewisse Schönheit, wie sie etwa Mathematiker in präzis-knappen Beweisen erkennen.Vielleicht zeigt hier die Mathematik ihre heimliche Natur als Philosophie und verweist auf zeitlos gültige Maßsstäbe. Kaum vorstellbar, dass vor tausend Jahren oder in tausend Jahren die Vertreter dieser Zunft einen Beweis für schön halten, der sich umständlich windet und vielleicht sogar eher blumig definiert ist. Allerdings dürften die Mathematiker mit dieser Anmutung der Ewigkeit recht allein sein. Der Rest der Welt scheint eher eine Vielfalt an Vorstellungen aufzuweisen, was als “schön” zu bezeichnen ist. Nicht nur die größeren Epochen der Kunstgesichte oder die kleineren Schrittfolgen der ständig wechselnden (und manchmal wiederkehrenden) Moden beweisen das; ein Beweis, der übrigens auf jeden Flecken der Welt noch einmal neu zu würdigen sein wird. In diesem Zusammenhang spricht man davon, dass Reisen bilde. Manchmal reicht es als Aktiver schon, das Zimmer des Mitbewohners zu betreten und zu sehen, was dort als “schön” galt.Schönheit setzt in Beziehung. Menschen, Zeiten, Orte, Gegenstände können eine Schönheit aufweisen, die nur in den Augen eines Betrachters liegt. Andere Maßstäbe sind wiederum mehr Menschen zugänglich. Diese Ausgabe bietet einige Streiflichter über beides. Nicht zu vergessen, dass auch dem Layout dieser Ausgabe die eine Frage zugrunde liegt: Bin ich schön? Welche Frage! (DM)

Partei und Verbindung

In Parteien sind viele Korporierte engagiert, auch in der sozialdemokratischen. Dort besteht seit fast zehn Jahren der Lassalle-Kreis als Interessenvertretung der korporierten Parteimitglieder. Der Bundesvorsitzende Florian Boenigk berichtet.


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Florian Boenigk

Bundesvorsitzender des Lassalle-Kreises.

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