Bildung, Ausbildung und Weiterbildung

Der VDSt zu Göttingen nahm das Leitthema des VVDSt „Bildungsstandort Deutschland“ als gedanklichen Anstoß und widmete sich der schulischen und betrieblichen Ausbildung.


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s124_Weiterbildung_1Im vergangenen Semester befasste sich die Aktivitas des VDSt zu Göttingen zusammen mit ihrer Altherrenschaft mit den Teilbereichen nicht-universitärer Bildung. Im Rahmen einer breiten Vortragsreihe zu diesen Themen konnte ein weites Spektrum vom gesetzlichen Rahmen bis hin zum internationalen Vergleich abgedeckt werden. Dies lag natürlich an den geladenen Referentinnen und Referenten, aber nicht zuletzt auch am persönlichen Engagement der Aktivitas.

Gesetzlicher Rahmen

Der erste Vortrag des Semesters von Herrn Klaus Pentzlin über die „Etablierung neuer Lehrberufe in Deutschland“ brachte bereits in der zweiten Woche des Semesters einen spannenden Einblick in die komplizierte Struktur des deutschen Bildungssystems und welche Hürden zu nehmen sind, um einen neuen Lehrberuf zu etablieren. Als Präsident des Bundesverbands der Lohnunternehmen e. V. ging Herr Pentzlin tatsächlich den steinigen Weg und erreichte die staatliche Anerkennung der Ausbildung zur Fachkraft Agrarservice. Somit war er die richtige Person, um uns zu zeigen, dass dieser Weg erforderlich ist, um sich im Hinblick auf die Qualität der Dienstleistung als Lohnunternehmer dem Wandel der Technisierung im Agrarsektor anzupassen. Es kristallisierte sich zudem heraus, dass man Lehrberufe allgemein reformieren und mit neuen Ausbildungsberufen in interessanten Nischen wie der Fachkraft Agrarservice diese insgesamt wieder attraktiver gestalten könnte und dringend sollte.

Trägerschaft

In der darauffolgenden Woche verglichen zwei Fuxenvorträge die verschiedenen Trägerschaften von Schulen und deren Vor- und Nachteile. Somit bereiteten uns die Fuxenvorträge mit grundlegenden Informationen auf den Vortrag „Privatschulen – ein Überblick und eine Einschätzung“ von Frau Prof. Dr. Margret Kraul vor.

Frau Prof. Dr. Kraul ist renommierte Forscherin zum Thema der Privatschulforschung in Deutschland sowie Inhaberin einer Niedersachsenprofessur und somit bestens geeignet, um uns über die Beweggründe von Eltern und die verschiedenen Formen der Privatschulen aufzuklären. Durch anwesende ehemalige Privatschüler unseres Bundes und anderer Korporationen entstand eine lebendige Atmosphäre, die eher an einen Diskussionsabend als an einen Vortrag erinnerte. Einzig die Frage, ob Schüler von privaten oder von staatlichen Schulen besser abschneiden, blieb offen.

Leistung

Diese Frage sollte nicht lange unbeantwortet bleiben, denn schon eine Woche später konnten wir mit Herrn Prof. Dr. Manfred Weiß ein Mitglied des PISA-2000-Konsortiums auf unserem Haus begrüßen.

Herr Prof. Dr. Weiß hat die Daten der PISA-Studie auf Privatschulen bezogen und gab mit seiner Studie erstmals ein aussagekräftiges Bild von Privatschulen im internationalen Vergleich. Dies ist in der Privatschulforschung äußerst schwer zu erreichen, da häufig mangels ausreichender Stichprobenzahl keine Vergleichbarkeit erreicht wird. Außerdem stellte uns Herr Prof. Dr. Weiß eine Studie der OECD vor, mit welcher abschließend ein schlüssiges Bild über die Leistungsverhältnisse von Privatschulen im In- und Ausland entstand. Letzten Endes profitieren Privatschüler nicht von dem vermeintlich besseren Bildungsangebot der Schulen, sondern von deren künstlich geschaffenem sozialen Umfeld. Wenn sozioökonomische Vorteile nach einem Verfahren von Herrn Prof. Dr. Weiß herausgerechnet werden, scheint der Leistungsunterschied zwischen den beiden Schulformen wegzufallen. Nun lässt sich dennoch festhalten, dass sich Privatschulen für die eigenen Kinder lohnen können, da sie regelmäßig ein engagiertes und behütetes Umfeld bieten.

Im Internationalen Vergleich

Sowohl mit dem Vortrag von Herrn Prof. Dr. Weiß als auch mit einem weiteren Fuxen- und einem Burschenvortrag konnten im direkten Vergleich des föderalen mit dem zentralen Bildungssystem Vor- und auch Nachteile des jeweiligen Systems erkannt werden. Man erkennt statistisch im Verlauf der letzten Jahre, dass der PISA-Schock Früchte getragen hat und Besserung in Sicht ist. Jedoch sind die Deutschen noch immer nicht dort angekommen, wo sie sein sollten und wollen. Stellenweise erscheint eine Reform des deutschen Bildungssystems mehr als überfällig.

Fazit

Der VVDSt hat sich ein überaus spannendes und vielseitiges Leitthema gegeben, durch das ein innovatives Projekt entstanden ist. Jeder VDSt konnte dieses Thema auf seine eigene Art und Weise im Semesterprogramm umsetzen und so die Meinungsbildung des einzelnen fördern. Dies zeigt, wie sehr wir unser politisches Prinzip leben können und tatsächlich auch leben.


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Tristan Hampe

geb. 1993, Mediziner, VDSt Göttingen.



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